• so, 4.10.2026

    REGULAR EXERCISE

    Die in Notizbüchern typischerweise auftretenden Wiederholungen weisen ferner auf den suchenden Charakter hin, den dieses Reflexionsmedium ausmacht. Freilich handelt es sich dabei in der Regel nicht um reine Wiederholungen eines vergesslichen oder zum Insistieren neigenden Autors, sondern um unterschiedliche Facetten und Blickwinkel mit Bezug auf ein und denselben Gedankengang.

    Was auch immer sich lösen ließe, an Problemen oder Verwirrungen, ich bin ohnehin unterwegs, ambulando, und die Oktobersonne steht bereits hoch. Ein schöner Tag teilt sich immer mit, wirkt, und ich empfange diese Mitteilung gern.

    Es ist der Tag des KölnMarathon. Athleten und unbeteiligte Fussgänger gleichermaßen können diesem Tag kaum umhin, vereinzelt Zonen von toxic percussionism durchqueren zu müssen. Die Gesichtsausdrücke der Trommler lassen keinen endgültigen Schluss zu, ob sich die Leute bewusst sind, was sie da machen, Lautstärke ist der Konsens, mehr noch als rhythmisches Muster oder feeling. Die Trommel, das scheint ihr auferzwungenes Schicksal geworden, ist das Instrument der Wahl, an dem noch der Unmusikalischste meint, eine direkte Linie und somit den kürzesten Weg zur MUSIK—ALL CAPS—gefunden zu haben.

    Was ist eigentlich mit dem Aspekt des „Deskilling“ (wie es Ian Burn von Art & Language in seinem Aufsatz von 1981 erwähnt und, wie man sagt, etabliert hat) — ist das noch die Konvention, das „Ent-privilegieren“ des Kunstwerks? Jetzt fällt mir ein, an wie vielen AI-generierten Speisekarten und Postern ich in letzter Zeit vorbeigegangen bin, und wie es ihre gleichförmige Zugeballertheit und Abwesenheit von optisch-gestalterischen Grundlagen war, die mich da hinschauen ließen.

  • mi, 30.9.2026

    NACHDENKLICHER WEHRPFLICHTIGER

    In meinem Nacken Verspannungen, die Schraubstockkopfschmerzen hervorrufen. Im Innenhof die Gerüstbauer. Ein merkwürdig neuer Anblick und Sound: Männer, die meisten über 50 und kaukasisch, old brand working class, die sich, über den Lärm der klonkenden Stangen hinweg, Dinge in rheinischen Mundarten zubrüllen. Dann das Schnarren einer Ratsche.

    Andere Cartoon-Szene: ein Obdachloser klebt sich mit Flüssigkleber die Sohle seines Sportschuhs wieder an, indem er die glasige Soße in die klaffende Lücke tropfen lässt, während er den Schuh noch anhat. (Notiz war: a hobo glues his shoes. What melody!)

    Es liegt viel Sex in den Blicken des Spätseptembers.

  • so, 13.9.2026

    AIRFRYER ABNEHM REZEPTE

    Auch dieser 11. September ist, wie damals der vor 25 Jahren in New York, ein wunderschöner, wolkenloser und sonniger Tag im frühen Herbst. Aus der U-Bahn kommend, setzt sich die sicht- und begehbare Welt am Ende der Treppe hoch zur Ebene der Lebenden als eine strahlende, James-Turell-artige Öffnung in überwältigendem Blau zusammen.
    Der Herbst wiederum, so jung er auch sein mag, ist im REWE Körnerstrasse bereits der Schnee von morgen, conceptually speaking. Dort lacht mich aus den Regalen an: dutzende, regalbreit angeordnete Einheiten Weihnachts-Pasta™, ready to buy, ready to be bought.

    Auf der Startseite der FAZ-Online jedoch, da scheint diese Welt—die der blauen Himmel, der kommenden Jahreszeiten mit ihren Feierlichkeiten, den saisonalen Farb- und Gefühlsmustern und Pasta-Produkten—ansichtig ihrer schattenhaften und menschenzerstörenden Archonten paralysiert: Vernichtung der Menschheit durch entweder Künstliche Intelligenz, global, oder AfD, lokal. Ein heterogener Haufen von Experten ist sich noch unsicher ob der wirklichen Macht und der destruktiven Kraft dieser Elemente.