• do, 29.1.2026

    WHITEHORSE, YUKON TERRITORY

    Was hat denn die Nacht diesmal kreiert? Dünn gewebte Fetzen aus Schnee liegen herum. Alles, was waagerecht ist, tropft. Durchspülte Tage.

    7 Days Earlier:

    Von Daniel bekomme ich Sloterdijks Buch über das GRAU geschenkt. Das kommt gerade genau richtig, habe ich es doch, im praktischen Bereich, meistens mit allerlei Graus und deren Neigungen zu tun, hin zum Gelb, hin zum Rot, hin zum Orange usw. Sloterdiijk bringt Cézanne ins Spiel, kann er ja, kein Problem, dabei weiss ich jetzt grade gar nicht, ob das so ein gutes Beispiel…egal. Irgendwie wissen die Leute, was mit Cézanne anzufangen ist.
    Es geht so los: Wer, gleichsam einer Laune nachgebend, sich von der Neigung erfassen liesse zu behaupten… Ok.

    Laune > Neigung?

    Jetzt zum internationalen Teil.

    I asked ChatGPT (Free Version) a question. Instead of plainly giving me the answer, I also asked ChatGPT to show me the „thinking“/the work it is doing before delivering its answer.
    This is what it said regarding my extra task.

    Now, I’m not deep into using AI, or thinking about its mechanics and processes and what it all means perspectively blabla. I’m not into doomsday aphorisms in vantablack.
    I’d like to highlight the word „scratchpad“ though. The fact that the scratchpad is not „allowed“ to be exposed. That „Discarded paths“ are to be kept in the shades. That it chose the word „scratchpad“ in the first place. What is old will be new again.

    In relation to Arts, let’s say, especially to Writing and the Visual Arts, because these are the two (I don’t include Music here, because it is something different altogether) I’m involved in: that what I am doing (an artist in general?) is the very publication of my scratchpad („partial ideas, probabilities, discarded paths…often confusing, misleading or unsafe“), and not a „contrived reply“ to a muted question asked by someone who walks into an exhibition space in which my work is installed.

    Speaking of paths and their digressions: Concomitantly, I’m thinking of something the writer Denis Johnson said in an interview in 2003. That there is no kind of artists who is so stripped bare before the eyes of people visiting their studio as visual artists. „They can’t hide what they are doing.“
    Think about that for a second. They can’t hide what they are doing.

    Schnee in Texas.

  • mo, 19.1.2026

    I JOINED THE MONASTERY OF ART FOREVER

    A man has no concept of a straight line unless he has seen a crooked one. Da ist was dran, und da hinten, wo Parkhäuser und riesige hohle Rechtecke aus dem Boden wachsen, da ist ein Gebilde mit dem Namen Marsdorf. Da muss ich hin, mit der Strassenbahn, und der Tag ist noch jung, und das Jahr jung an Tagen.
    Ich fuhr—I was taking a ride in a streetcar named Obdachlosensmell—die Aachener Strasse in westliche Richtung, am Friedhof Melaten vorbei, am Stadtwald vorbei, hinter den Gürtel, wo sich durch grosse Stadtvillen, in denen es grosse Räume hat, das frühe, vorherige Jahrhundert zeigt, und mit ihm die Ahnung von einer Stadt, die niemand mehr kennt.
    Dann kommen generische Kuben, an denen sich Edelstahl rankt, und Flachbauten, mit diesen irren Ideen des Bauwesens aus vorherigen Jahrzehnten, in denen man Häuser mit Kieselsteinen panierte.

    In einem dieser Flachbauten ist ein riesiges Zentrum für Mammografie, ein „Brustdiagnostisches Zentrum“, und später, auf dem Rückweg, steigt an der Haltestelle gegenüber eine Frau mit ihrem Mann zu, sie trägt ein Kopftuch, sie hält ein Schreiben in der Hand und nennt den Namen von etwas, das nur ein Medikament sein kann, und kommentiert es routiniert, lässig, mit Expertise, und dann gehen ihre Augen weiter über das Schreiben, und sie sind völlig ohne Wimpern. Am Himmel ist keine Wolke auf Reisen, und ich bekomme nicht schlechte Laune, aber eine, die mich am Melaten aussteigen lässt, ich bin neugierig, vielleicht self-sabotaging, und ich will sehen, was der Gang über den Friedhof anrichtet.

    Es ist viel zu kalt dafür, dass ich nur mein Sakko trage. Ich atme die Luft tief ein, die einzigen Farben, die nicht ein irgendwie geartetes Grau oder Braun sind, sind die Plastikgiesskannen an der einen Ecke, die fabrikneu-bunt und aneinander gedrängt wie schlafende Fledermäuse einen grellen, lebhaften Jeff Koons-Effekt in das dunkle Spektrum von Erdtönen abstrahlen. Look out for the crooked lines.

    Mein Ziel ist der Ausgang zur Strasse auf der anderen Seite, von dort sind es nur noch 200 Meter zu meinem Atelier. Nach ein paar Minuten überhaupt nicht Tod-beschwerten Gehens, sind an den Rändern des Blicks die Grabstätten doppelt und dreifach so gross geworden wie noch kurz zuvor. Gotische Spitzen, die Breite der Moderne. Ich bleibe stehen und hole mein Notizbuch raus, ich will etwas notieren, ich weiss nur noch nicht, was. Ich schaue nach links und notiere, zeichne, was ich dort lese:

    Dr. Guido
    Westerwelle

    27. DEZ 1961

    18. MÄRZ 2016

    Über dem Stein steht auf einem Sockel, schwarz, eine aus seinen typischen knolligen Formen zusammengesetzte Büste von Markus Lüpertz.

    Ein paar Tage zuvor hatte ich mit umherschweifendem Blick, der mein Maschinengewehr ist, Folgendes gesehen: ein Mann, Typ Handwerker, hatte eine Doppelseite aufgeschlagen, deren Abkunft im Nachhinein zu bestimmen ich mir verbot, und oben prangte in fetter, dezenter Serifenschrift hingedruckt die Schlagzeile: Zukunft der Menschheit völlig unklar

  • sa, 17.1.2026

    VON EITRIGER ANZIEHUNGSKRAFT

    Ich muss, bevor ich hier schreibe, die Fenster weit aufreissen. Der Nachbarin Deodorant verseucht hier das Ghetto. ARMUT hat viel mit Lärm und Gerüchen zu tun.

    Zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort: drehen die Cinghiali gerade im Serpentara ihre Runden? Was riechen sie?

    Life is what happens in books, oder? Piloten und Crew des B-52er mit dem Namen Long Tall Sally, way up there, fünfzig Tausend Fuss über und parallel zum Südchinesischen Meer, schreibt DeLillo, Anekdoten, durch den Kriechgang hindurch, über die Stationierung in Grönland und…
    —nee, okay, ich wollte lediglich sagen, feel its rhythm: Serendipität
    yes, I’m taking a dip

    Letzte Woche, im Oxford-Interview mit Conan O’Brien, das ich mir auf YT ansah, sagte er diesen einen Satz, von dem ich denke, oder ahne eher, dass er sehr viel über das Kunstmachen aussagt. Wurde notiert, denke öfter dran.

    „Everything you need to know happens in a small environment, and everything else is just about scale.“