• mi, 22.7.2026

    DIE SPÄTER DEN ÄLTEREN DUCHAMP ZU TEILS HEFTIGEN POLEMIKEN VERLEITEN SOLLTE

    Als ich an den auf der nordseitigen Domtreppe Kiffenden vorbeilaufe, und sich im Sichtfeld der schwarze Stein breit macht, muss ich an die ganze The Odyssey (ἡ Ὀδύσσεια) Propaganda denken, die mich seit Tagen ungefragt in a thousand cuts überschwemmt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie egal,
    und wie egaler je—
    es mir wird.
    Gestern hab ich einen schwarzen Hund gestreichelt, sein Name kam mir, kommt mir jetzt auch Griechisch vor? Karon? Κάρων?

    Bisher habe ich C. Nolan als Chief Pimp eines zunehmend dröhnenden Generic Literalism empfunden, dessen Filme mit steigenden Budgets gleichsam auf so steroide Art praller werden in ihrem Anliegen, aus den Big Man-Themen (Zeit und Raum) so visuelle Bällchen-Pools zu machen, in die man bisschen „eintauchen“, aber auch bisschen was fummeln kann. Dunkirk find ich ganz okay. Auf Krieg ist halt Verlass.

    Mir fällt das Denken (mittlerweile) öfter schwer. Bis auf die Momente, in denen es mir ganz leicht fällt. Und dann wirkt es so, als sei ich einer der Wenigen, die überhaupt noch denken. Keinen der beiden Zustände verbalisiere ich. Treibt jetzt so ein Keil ins Leben rein? Kommt jetzt eine Proust’sche 2. Phase, wo alles so Ästhetik wird? Gäbe doch Schlimmeres, oder.

    Am Telefon höre ich den berechtigten Stolz meiner Mutter, wie sie es in den letzten zwei Jahren durch Bewegung, Beherrschung, Behandlung und guten Willen geschafft hat, ihr rheumatisches Knie so zu stabilisieren, dass selbst der Physische Therapeut erstaunt schien, und zugab, noch bei den ersten Terminen habe er eine baldige Operation für unumgänglich gehalten. Es gibt auch einen neuen Sonnenschirm. Er ist ROT.

    „Fights!“ von McClanahan gelesen. Sogar die Deutsche Übersetzung, von Clemens Setz natürlich, ist schon mit Cover und allem angekündigt. Finde ich ja gut, dass Setz das so in die Hand nimmt. Er hat den Status, sich diese Dinge auszusuchen. Werde ich irgendwann Setz selbst lesen?

  • mi, 8.7.2026

    AUS UNSEREM MOBILSTALL

    Wilmersdorf. Die Art, wie Philipp seine kräftig gewachsene Monstera auf dem elektrischen Klavier positioniert hat, wie ich sie hier vorfinde, die grossen Blätter hängen tief und ausladend in den Wirkbereich des Instruments, legt nahe, dass er nur noch selten darauf spielt. Im schwarzen Lack des Deckels spiegeln sich die Blätter als monochrome Scherenschnitte. Über die gestrichenen Oktaven hält Monstera ihre Hände und sagt: don’t play. Oder aber: go on, play it.
    Jetzt steht es da, das Casio®, in der lichtärmsten Ecke des Raums, und draussen scheint die Sonne.

    Obwohl ich Philipp schon viele, viele Jahre kenne, verbinde ich das Musikmachen überhaupt nicht mit ihm. Wenn ich mir das zurechtlege, dann ist Philipp einer dieser Menschen, die ein bestimmtes Verhältnis zu einem Instrument, und nicht Musik selbst, aus ihrer Kindheit, Jugend, mit in ihr Erwachsenenleben nehmen, wo es sich als Material seinen Raum nimmt, und man, Phillip in diesem Falle, sich selbst fragen kann: was hat es mit mir zu tun?
    Ich nehme an, dass Philipp, in der Gautinger Jugend, Unterricht genommen hatte, oder ihm diese Entscheidung abgenommen wurde. Ich habe ihn mal spielen sehen, nach Noten, jedoch sehe ich Philipp nicht, wie er einen Ton spielt, und hört, wie sich dieser in Raum und Zeit ausbreitet. Not judging.
    Ich denke an das Klavier in Olevano. Und denke an den plumpen, aber richtigen Ansatz zum Verzicht (Was man nicht hat, das braucht man nicht etc.), jetzt aber umgekehrt. Wenn ich ein Klavier habe, dann spiele ich auch drauf.
    One note at a time. Anders kann ich es gar nicht.

  • di, 2.6.2026

    SIND BLITZE, SIND DONNER IN WOLKEN VERSCHWUNDEN?

    Was einen für lange umgibt, das wird einem irgendwann Natur.
    So wie das Analoge Milieu, in dem ich, in dem so viele, die meisten, die ich kenne, aufgewachsen sind. Wie könnte Big Mother Analogue uns nicht, Frage, eine spezifische Wahrnehmung anerzogen haben.

    See the Papaya, Alien Fruit.
    Ihr Fruchtleisch leuchtet dunkelorange, von Saft ganz verschwommen, hinter der Folie. Die tiefschwarzen, im Licht grünlich schimmernden runden Kerne liegen ganz dicht, wie als Schwarm, in ihrer weiblichen Mulde. Spinnen, die ihre Kinder zu Hunderten auf dem Rücken umhertragen.