REGULAR EXERCISE
Die in Notizbüchern typischerweise auftretenden Wiederholungen weisen ferner auf den suchenden Charakter hin, den dieses Reflexionsmedium ausmacht. Freilich handelt es sich dabei in der Regel nicht um reine Wiederholungen eines vergesslichen oder zum Insistieren neigenden Autors, sondern um unterschiedliche Facetten und Blickwinkel mit Bezug auf ein und denselben Gedankengang.
Was auch immer sich lösen ließe, an Problemen oder Verwirrungen, ich bin ohnehin unterwegs, ambulando, und die Oktobersonne steht bereits hoch. Ein schöner Tag teilt sich immer mit, wirkt, und ich empfange diese Mitteilung gern.
Es ist der Tag des KölnMarathon. Athleten und unbeteiligte Fussgänger gleichermaßen können diesem Tag kaum umhin, vereinzelt Zonen von toxic percussionism durchqueren zu müssen. Die Gesichtsausdrücke der Trommler lassen keinen endgültigen Schluss zu, ob sich die Leute bewusst sind, was sie da machen, Lautstärke ist der Konsens, mehr noch als rhythmisches Muster oder feeling. Die Trommel, das scheint ihr auferzwungenes Schicksal geworden, ist das Instrument der Wahl, an dem noch der Unmusikalischste meint, eine direkte Linie und somit den kürzesten Weg zur MUSIK—ALL CAPS—gefunden zu haben.
Was ist eigentlich mit dem Aspekt des „Deskilling“ (wie es Ian Burn von Art & Language in seinem Aufsatz von 1981 erwähnt und, wie man sagt, etabliert hat) — ist das noch die Konvention, das „Ent-privilegieren“ des Kunstwerks? Jetzt fällt mir ein, an wie vielen AI-generierten Speisekarten und Postern ich in letzter Zeit vorbeigegangen bin, und wie es ihre gleichförmige Zugeballertheit und Abwesenheit von optisch-gestalterischen Grundlagen war, die mich da hinschauen ließen.