• so, 13.9.2026

    AIRFRYER ABNEHM REZEPTE

    Auch dieser 11. September ist, wie damals der vor 25 Jahren in New York, ein wunderschöner, wolkenloser und sonniger Tag im frühen Herbst. Aus der U-Bahn kommend, setzt sich die sicht- und begehbare Welt am Ende der Treppe hoch zur Ebene der Lebenden als eine strahlende, James-Turell-artige Öffnung in überwältigendem Blau zusammen.
    Der Herbst wiederum, so jung er auch sein mag, ist im REWE Körnerstrasse bereits der Schnee von morgen, conceptually speaking. Dort lacht mich aus den Regalen an: dutzende, regalbreit angeordnete Einheiten Weihnachts-Pasta, ready to buy, ready to be bought.

    Auf der Startseite der FAZ-Online jedoch, da scheint diese Welt—die der blauen Himmel, der kommenden Jahreszeiten mit ihren Feierlichkeiten, den saisonalen Farb- und Gefühlsmustern und Pasta-Produkten—ansichtig ihrer schattenhaften und menschenzerstörenden Archonten paralysiert: Vernichtung der Menschheit durch entweder Künstliche Intelligenz, global, oder AfD, lokal. Ein heterogener Haufen von Experten ist sich noch unsicher ob der wirklichen Macht und der destruktiven Kraft dieser Elemente.

  • mo, 7.9.2026

    POWER GRID SABOTEUR

    Zwei Weisslinge umkreisen sich, arktisch weiss sind sie, sie fallen ab und schrauben sich wieder hoch, wie besinnungslos, drehen ab, ins pralle Sonnenlicht, und ich muss die Hand mir vor die Augen halten. Sitzen jetzt oben auf dem Hibiskus, in dem es blüht und fault zur gleichen Zeit. Fast schwarze Knospen, manche Blätter gelb, auf ihnen, knallrot und schwarz, die Schilder der Feuerwanzen. Ich hänge Wäsche auf, spüre die Gradzahl des Tages („der letzte Tag des Sommers“, stimmt doch garnicht) auf meinem Gesicht, gebe dem Hündchen Mara eine Karotte, rieche den Rasen unter mir, das alte Wasser in den Untersetzern aus Terrakotta. Äpfel, babyfaustgross, sind von den Bäumen der Nachbarn abgefallen, liegen in dunkler Erde im Schatten.
    Just to see
    What nature presents

    Das Journal hier könnte man auch falsch verstehen: aus vereinzelten Elementen nachträglich einen Sinn zu erschaffen. Nein, dieses Journal ist und bleibt eine Babyfaust.

  • fr, 4.9.2026

    LESS AUTOBIOGRAPHICAL

    „Erratisches Charisma“, schreibt Bert Rebhandl, aus Venedig heraus. Schade. Ich suchte wohl im Text einen Abglanz der Ruhe, die heute Morgen im silbrigen Wolkenhimmel liegt, der vom frischen Wind über diesen Landstrich hinweg geblasen wird. Die Textstelle hatte mich dann etwas angeschrien. So fluide kann ich dann doch nicht sein. Gibt es also eine andere Art Charisma? Etwa logisches Charisma? Auch ganz gut hilarious—fand ich im Text zur aktuellen Ausstellung im Kunstverein: „Serpas lässt sich nicht an den Brettern der Zuschreibungen festnageln.“*
    OK, das ist doch gut, dass die berühmten Bretter der Zuschreibung ungenagelt bleiben. Let’s copyright that. Lässt man sich am „ehrwürdigen“ (Blast from the past) Kunstverein etwa von KI die Texte formulieren? Immaterielle Schäden.
    Einer der ältesten und grössten Kunstvereine Germanys übrigens.
    Gleich schau ich mir die Ausstellung an.

    (* Tags zuvor, Teaser-Headline The Point-Artikel von Anastasia Berg und Jon Baskin: „Wir vertreten die Auffassung, dass wir, wenn wir die Rolle der KI in unserem Leben nicht gründlich durchdenken und abgrenzen, Gefahr laufen, die Verständlichkeit unserer eigenen kulturellen Leitkonzepte zu untergraben…“ DIE VERSTÄNDLICHKEIT)