• di, 24.3.2026

    PERSICO MIT ROSEN

    Am Samstag kam dann, ich wartete ja drauf, die Post aus Düsseldorf an, und ich stand am Briefkasten mit dem Gedanken: gib mir die Diagnose, ich will das jetzt an mich reissen (was genau? Die Situation). Und dann, wie immer überrascht:

    Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können

    Ein direkter Uplift blieb aber aus. Vielleicht ist das ja…auch ok?

    What time is it?
    Eine Hummel, ein grosses Exemplar, ein Big Boi, pausiert am löchrigen Mauerwerk, direkt neben meinem Fenster, schrubbt sich mit den Gliedern den Kopf und den feinhaarigen Leib, und zuletzt den Hintern, wo der Pelz weiss ist.

    The time is
    HUMMELPELZ.

  • so, 15.3.2026

    STAY ALIVE
    BY STAYING OUT

    Kurze Liste:

    Ishin
    Dussmann
    Post wo?
    Pynchon Mason & Dixon wo?
    Antiquariate Mehringdamm, Riemannstr., Wilmersdorfer Str.
    mit dem BUS fahren
    Eyeflirting
    Ghost Elephants
    Aufbau (alle sind nett und unkompliziert)
    Ich kenne nur Sara, Franziska und Rishikesh
    Görlitzer Park, jetzt auch in abschliessbar
    Mexiko, The MAN Hotel (gay)
    Die Main Coon-Katzen Heidegger und Horkheimer
    „Wir haben Habermas gekillt“ – „Wollte ich dir grade auch schreiben“
    Schönhauser Allee
    vorm Babylon: Tahnee mit ihrem Rollkoffer, kommt aus NY
    warmer Fussboden
    Packung Parisienne 9 Euro
    Schulklassen vor dem Grips Theater. So sehen die Lehrer heute aus.
    usw.

    Rückkehr aus Tiergarten.
    Auf der Sonnenseite des Zuges sass ich. Eine Zeit lang.
    Kurz hinter Wolfsburg —WOLF— schob sich ein gewaltiges Grisaille dazwischen, grobkörnig, meliert, oder gleich ein ganz anderer Tag als der, der in Berlin, erst wenige Stunden vorher, angefangen hatte, sonnig und durchaus warm, an dem ich noch, wie an allen vier Tagen zuvor, vor der Bäckerei am Hansaplatz Croissant in Kaffee getunkt hatte, in der Morgensonne.

    Die discontinuity schlug mir auf die Laune, ich wurde müde im gleichgültigen Reflex der grauen Stase, die an der Scheibe klebte, und je näher der Zug dem Rheinland kam, desto kühler wurde es auch im Waggon.

    Die Eröffnung der Ausstellung empfand ich als merkwürdig. Natürlich war ich gerne dabei. Ich lasse es, wie man sagt, wash all over me. Man liess die Leute gut eine volle Stunde, Füsse scharrend, vor der grossen Treppe stehen, um auf sie erstmal Texte (und ich meine nicht die Begrüssung) abzuladen, denn zu langes Gerede darf auf keinen Fall ausbleiben. Zwei Fellows der Sparte Literatur lasen zwei zu lange Texte vor, Entschuldigung. Untrained voices all day keeps the visitor away. Dann gab es eine Berghain-artige Stauung und die Leute wurden nur büschelweise hereingelassen. Als ich dann hochging, war es aber nicht, wie das Szenario unten nahelegte, proppevoll. Es war genug Platz. Keine Ahnung.

    Vom Bett aus, im Zimmer in der AdK, vorm Schlafen, der Ausblick ins Dunkelblau von Tiergarten, die kahlen Äste like subtle cracks in the night, und Klopstockstrasse, die leuchtenden Fenster: Rubix cube.

    Im Sitz hinter mir die Frau, clicking away on her keyboard, ein Soundtrack aus Fingernägeln, immer wieder schwoll er brutzelnd an, Insekten, deren Chitinpanzer über einer Gasflamme zerplatzen. Beim Ausstieg frage ich mich, ob sie Implantate im Hintern hat.

    My sacred vernacular

  • mo, 9.3.2026

    GERING FÜNFSTELLIG

    Zur neuen, mehr nach muskulöser Landwirtschafts- und Nutzmaschinerie aussehenden Baureihe der ICEs, gebaut in spanischen Landen, gehört dieser Zug hier nicht, in dem ich sitze. Die hätte ich gerne mal gesehen, gefühlt, wie man sagt.
    Und: wesentlich anders wird auch der Morgen in Spanien nicht aussehen, die deutliche Sonne, im flachen Winkel strahlt sie ein und blitzt stroboskopisch auf im verspiegelten Glas von Bürobauten, galaxy-artig generische Hexaeder, abgeworfen aus grosser globalisierter Höhe, in die flache, nordrhein-westfälische Landschaft hinein, zwischen Baum, Busch und Feld.

    Nicht weit von hier gestern Wahlen. Der mir bizarr alienhaft (not in a good way) vorkommende CDU-Typ Hagel hatte knapp verloren (im Übrigen kommen mir immer mehr Menschen so vor (not in a good way), und ich frage mich, ob es diese Menschen immer schon gegeben hat, oder erst durch den grossen Self-Conscious-Turn unserer erbarmungslosen Technikgestelle PRODUZIERT werden), die AfD allerdings—und ich bin selbst überrascht, dass ich noch überrascht bin—wuchtet sich hoch zur drittstärksten Fraktion, und während hier Bielefeld an mir vorbeizieht: die AfD-Sache ist doch, mal ganz realistisch, vorsichtig gefragt, nur noch eine Frage der Zeit?
    Der Schmerz, er zieht dextral, und was unaushaltbar ist, das hält man lange aus.

    Time—also wirklich—As Sculpture. Das klingt banal, jedoch wie als geistesinterne Animation dieser Zustände griffig. Zumal es den Moment des Erkennens bzw. Wiedererkennens scheinbar realistisch weit hinein in die Timeline trägt: spät, sehr spät, zu spät vielleicht. Manchmal. Möglich.
    Nicht unähnlich der Entstehung einer Skulptur, die klassischerweise aus einem unförmigen Block eines Werkstoffes allmählich herausgearbeitet wird, erscheint die Entfaltung in der Zeit—und ich denke hier an einen klassischen Lehrsatz, der über die Jahrhunderte, nein, Jahrtausende durch Wissen und Zweifel und Scheitern und Gelingen, schlicht Praxis, in eine dichte und substantielle und deswegen äusserst elegante Form gefunden hat: from Major to Minor, wir arbeiten von der Grossen Form hin zur Kleinen.

    Unten, in einer von Sonnenlicht bestrichenen Senke, neben einer Halde kleinteiligen Schrotts, stehen in fahlem Rot und mit geschlossenem Auge die fahrenden Bratereien vom HÄHNCHENPRINZ.