• mo, 9.3.2026

    GERING FÜNFSTELLIG

    Zur neuen, mehr nach muskulöser Landwirtschafts- und Nutzmaschinerie aussehenden Baureihe der ICEs, gebaut in spanischen Landen, gehört dieser Zug hier nicht, in dem ich sitze. Die hätte ich gerne mal gesehen, gefühlt, wie man sagt.
    Und: wesentlich anders wird auch der Morgen in Spanien nicht aussehen, die deutliche Sonne, im flachen Winkel strahlt sie ein und blitzt stroboskopisch auf im verspiegelten Glas von Bürobauten, galaxy-artig generische Hexaeder, abgeworfen aus grosser globalisierter Höhe, in die flache, nordrhein-westfälische Landschaft hinein, zwischen Baum, Busch und Feld.

    Nicht weit von hier gestern Wahlen. Der mir bizarr alienhaft (not in a good way) vorkommende CDU-Typ Hagel hatte knapp verloren (im Übrigen kommen mir immer mehr Menschen so vor (not in a good way), und ich frage mich, ob es diese Menschen immer schon gegeben hat, oder erst durch den grossen Self-Conscious-Turn unserer erbarmungslosen Technikgestelle PRODUZIERT werden), die AfD allerdings—und ich bin selbst überrascht, dass ich noch überrascht bin—wuchtet sich hoch zur drittstärksten Fraktion, und während hier Bielefeld an mir vorbeizieht: die AfD-Sache ist doch, mal ganz realistisch, vorsichtig gefragt, nur noch eine Frage der Zeit?
    Der Schmerz, er zieht dextral, und was unaushaltbar ist, das hält man lange aus.

    Time—also wirklich—As Sculpture. Das klingt banal, jedoch wie als geistesinterne Animation dieser Zustände griffig. Zumal es den Moment des Erkennens bzw. Wiedererkennens scheinbar realistisch weit hinein in die Timeline trägt: spät, sehr spät, zu spät vielleicht. Manchmal. Möglich.
    Nicht unähnlich der Entstehung einer Skulptur, die klassischerweise aus einem unförmigen Block eines Werkstoffes allmählich herausgearbeitet wird, erscheint die Entfaltung in der Zeit—und ich denke hier an einen klassischen Lehrsatz, der über die Jahrhunderte, nein, Jahrtausende durch Wissen und Zweifel und Scheitern und Gelingen, schlicht Praxis, in eine dichte und substantielle und deswegen äusserst elegante Form gefunden hat: from Major to Minor, wir arbeiten von der Grossen Form hin zur Kleinen.

    Unten, in einer von Sonnenlicht bestrichenen Senke, neben einer Halde kleinteiligen Schrotts, stehen in fahlem Rot und mit geschlossenem Auge die fahrenden Bratereien vom HÄHNCHENPRINZ.

  • do, 5.3.2026

    BÜCHLEIN VON DEN AUSGEBRANNTEN WÄSSERN

    Lautes Fauchen des Abflammgeräts, in kürzeren Stössen jetzt. Feuert direkt in die laue Luft hinein, hinweg über Märztau und Meteor. Meterlange Zungen von rauhem Bitumen werden an den Rändern zusammengefügt und verklebt,
    gushed forth
    flames from machines.

    Gestern Abend, der Anwalt und ich waren direkt am Tresen des japanischen Restaurants platziert worden, da alle Tische besetzt, sprach auch er irgendwann, der Anwalt, davon, dass auch sein Job bald in den Flammen der Maschinen aufgehen könnte. Er sagte es beiläufig, halbernst bzw. what do we know, aber wir, Teile der Gesellschaft, stehen der Unklarheit gegenüber der Natur der Technik recht klar gegenüber.
    Dann gingen wir, und vor der Tür klassische, beruhigend vertraute Fragen der Menschheit—rauchst du noch? Hast du Zigaretten?

    Veilchen, Schlüsselblumen, Gänseblümchen—eher nicht. Die Vokabel „Völkerrecht“ ist die Blume der Woche. Grundsätzliche Frage: wissen die Leute eigentlich, wovon sie da so sprechen? Dann: ein Foto von Merz und Trump. Wie um die diplomatische AUTHENTIZITÄT des politischen Moments noch visuell zu potenzieren, ist der shot dergestalt designed, dass er Paparazzi-aus-der-Hecke-heraus-mässig aufwirkt. Da stehen die beiden also, Kategorie unter vier Augen, als tagespolitische und gestische Auflösung des geschichtszugewandten Moments der Präsidenten-Galerie-Abschreitung-Betrachtung, Trump mit Basecap mit seiner neuen Gürtelrose am Nacken (the shingles), oder Psoriasis, das NETZ rätselt darüber/wir berichteten, und Merz: fraternal-seriös, die Körperhaltung einer Vernunftposition, wo Säulen sind, kommt automatisch Seriosität auf, kommt persuasiver Geist auf, Donald, listen….

    Der Witz zu shingles fällt mir ein: I thought shingles was something that only affects roofs.

  • do, 26.2.2026

    MATURA

    Tja.
    Heute am hellichten Tag: drei Mal geweint.
    Das erste Mal aus Verzweiflung und Selbstmitleid (leider). Das zweite Mal wegen des Satzes One hideous symptom of severe depression is that it is impossible both to do anything and to do nothing. Das dritte Mal wegen Schönheit, von der ich wusste, dass sie kommen wird.
    So it goes.