I JOINED THE MONASTERY OF ART FOREVER
A man has no concept of a straight line unless he has seen a crooked one. Da ist was dran, und da hinten, wo Parkhäuser und riesige hohle Rechtecke aus dem Boden wachsen, da ist ein Gebilde mit dem Namen Marsdorf. Da muss ich hin, mit der Strassenbahn, und der Tag ist noch jung, und das Jahr jung an Tagen.
Ich fuhr—I was taking a ride in a streetcar named Obdachlosensmell—die Aachener Strasse in westliche Richtung, am Friedhof Melaten vorbei, am Stadtwald vorbei, hinter den Gürtel, wo sich durch grosse Stadtvillen, in denen es grosse Räume hat, das frühe, vorherige Jahrhundert zeigt, und mit ihm die Ahnung von einer Stadt, die niemand mehr kennt.
Dann kommen generische Kuben, an denen sich Edelstahl rankt, und Flachbauten, mit diesen irren Ideen des Bauwesens aus vorherigen Jahrzehnten, in denen man Häuser mit Kieselsteinen panierte.
In einem dieser Flachbauten ist ein riesiges Zentrum für Mammografie, ein „Brustdiagnostisches Zentrum“, und später, auf dem Rückweg, steigt an der Haltestelle gegenüber eine Frau mit ihrem Mann zu, sie trägt ein Kopftuch, sie hält ein Schreiben in der Hand und nennt den Namen von etwas, das nur ein Medikament sein kann, und kommentiert es routiniert, lässig, mit Expertise, und dann gehen ihre Augen weiter über das Schreiben, und sie sind völlig ohne Wimpern. Am Himmel ist keine Wolke auf Reisen, und ich bekomme nicht schlechte Laune, aber eine, die mich am Melaten aussteigen lässt, ich bin neugierig, vielleicht self-sabotaging, und ich will sehen, was der Gang über den Friedhof anrichtet.
Es ist viel zu kalt dafür, dass ich nur mein Sakko trage. Ich atme die Luft tief ein, die einzigen Farben, die nicht ein irgendwie geartetes Grau oder Braun sind, sind die Plastikgiesskannen an der einen Ecke, die fabrikneu-bunt und aneinander gedrängt wie schlafende Fledermäuse einen grellen, lebhaften Jeff Koons-Effekt in das dunkle Spektrum von Erdtönen abstrahlen. Look out for the crooked lines.
Mein Ziel ist der Ausgang zur Strasse auf der anderen Seite, von dort sind es nur noch 200 Meter zu meinem Atelier. Nach ein paar Minuten überhaupt nicht Tod-beschwerten Gehens, sind an den Rändern des Blicks die Grabstätten doppelt und dreifach so gross geworden wie noch kurz zuvor. Gotische Spitzen, die Breite der Moderne. Ich bleibe stehen und hole mein Notizbuch raus, ich will etwas notieren, ich weiss nur noch nicht, was. Ich schaue nach links und notiere, zeichne, was ich dort lese:
Dr. Guido
Westerwelle
27. DEZ 1961
–
18. MÄRZ 2016
Über dem Stein steht auf einem Sockel, schwarz, eine aus seinen typischen knolligen Formen zusammengesetzte Büste von Markus Lüpertz.
Ein paar Tage zuvor hatte ich mit umherschweifendem Blick, der mein Maschinengewehr ist, Folgendes gesehen: ein Mann, Typ Handwerker, hatte eine Doppelseite aufgeschlagen, deren Abkunft im Nachhinein zu bestimmen ich mir verbot, und oben prangte in fetter, dezenter Serifenschrift hingedruckt die Schlagzeile: Zukunft der Menschheit völlig unklar