HILLS AND MARKETS BLUSH IN THE SUNSET
Streit bei den Elstern, auf der Dachrinne. Es wirbeln schwarze Federn durch die Luft, wie im Cartoon, und im Sturzflug wird sich weiter gekabbelt und eingedreht, ein sagenhafter Krach dabei, der aus den kleinen Tieren kommt. Zurück auf der Dachrinne bleiben, schrill quäkend, Freunde und Angehörige.
Dann fällt der streitende Knäuel, wings snapping, aus dem Blickfeld, und nur noch die frühe Sommersonne bleibt übrig.
Sie beleuchtet jetzt meine nackten Füsse, die ich wie das glühende Ende einer Zigarette der Welt entgegenhalte.
Wenig später, eine neuer Sound: Möwen, hinten vom Rheinufer her.
Letzte Woche mit Jon nochmal für vier Stunden ins Wallraf, bevor es für zwei Jahre, die mehr als zwei Jahre sein werden, schliesst („Wallraf — Ein Museum wird erneuert“). Diesmal, ich weiss nicht, warum oder wieso ausgerechnet jetzt, empfand ich eine grössere Nähe, eine direktere Verbindung zu den spätmittelalterlichen, gotischen Bildern, deren Welt so unvorstellbar ist.
Der junge Mensch kann gar nicht wissen, wer die Griechen und Römer Goten sind.
Während wir umhergingen und schauten, probten wenige Räume weiter, im Hauptsaal, junge Jazzmusiker für den Auftritt, für den sie zwei Tage später, zur grossen Closing-Party („Wallraf — Ein Museum wird erneuert“), gebucht sind. Die ganze Gotik begann, hatte ich den Eindruck, zu leben, zu flirren, als die Musiker lange Töne durch die Räume schickten, Fahnen dunkelster und hellster Farben, nicht sichtbar, und frischer Wind kam auf, in Gestalt wunderschönster Dissonanzen, die meinen Gedanken Ein- und Ausgang weisten. Ich kann mich an fast keinen erinnern, aber ich weiss, dass es mir alles war in diesem Moment. Wenn ich bescheuert genug wär, würde ich sagen: ich war happy.
Das ÜBERDESIGN, das großartig Überdesignte dieser vollkommen präskriptiven Kunst, es hatte diesmal, sehr wahrscheinlich durch den Zufall mit der Musik, eine Weichheit, fast eine herbstliche Verzweiflung, die sich als Eindruck vor die gemalte Härte schob, vor all die vernichtenden Blicke, vor die verlorenen Blicke aus fischigen Augen, vor die kleinen hohen Brüste der Frauen, die wie Bleikugeln in ihren Miedern prangen, vor abgehackte Arme und Köpfe, aus denen noch das Blut spritzt.
Hinter all dem, wie ich finde, übertriebenen Schmelz und Finish, hinter der Versessenheit, mit den dünnsten und feinsten Marderhaaren noch den kleinsten Dot auf einer Rüstung, den kleinsten schimmernden Faden in schweren Gewändern darzustellen, als ob diese blosse, fromme Anhäufung von Details unter dem Diktat der Hand irgendwann, mit Gottes Licht und Geleit, sich zu etwas Ganzem zusammenfügte, da…..
Mit dem August beginnt für einige die Off-Season. Für andere beginnt sie im Winter.