AUS UNSEREM MOBILSTALL
Wilmersdorf. Die Art, wie Philipp seine kräftig gewachsene Monstera auf dem elektrischen Klavier positioniert hat, wie ich sie hier vorfinde, die grossen Blätter hängen tief und ausladend in den Wirkbereich des Instruments, legt nahe, dass er nur noch selten darauf spielt. Im schwarzen Lack des Deckels spiegeln sich die Blätter als monochrome Scherenschnitte. Über die gestrichenen Oktaven hält Monstera ihre Hände und sagt: don’t play. Oder aber: go on, play it.
Jetzt steht es da, das Casio®, in der lichtärmsten Ecke des Raums, und draussen scheint die Sonne.
Obwohl ich Philipp schon viele, viele Jahre kenne, verbinde ich das Musikmachen überhaupt nicht mit ihm. Wenn ich mir das zurechtlege, dann ist Philipp einer dieser Menschen, die ein bestimmtes Verhältnis zu einem Instrument, und nicht Musik selbst, aus ihrer Kindheit, Jugend, mit in ihr Erwachsenenleben nehmen, wo es sich als Material seinen Raum nimmt, und man, Phillip in diesem Falle, sich selbst fragen kann: was hat es mit mir zu tun?
Ich nehme an, dass Philipp, in der Gautinger Jugend, Unterricht genommen hatte, oder ihm diese Entscheidung abgenommen wurde. Ich habe ihn mal spielen sehen, nach Noten, jedoch sehe ich Philipp nicht, wie er einen Ton spielt, und hört, wie sich dieser in Raum und Zeit ausbreitet. Not judging.
Ich denke an das Klavier in Olevano. Und denke an den plumpen, aber richtigen Ansatz zum Verzicht (Was man nicht hat, das braucht man nicht etc.), jetzt aber umgekehrt. Wenn ich ein Klavier habe, dann spiele ich auch drauf.
One note at a time. Anders kann ich es gar nicht.