• mi, 7.1.2026

    RUBBER VOMIT BLOB

    Trat an den in weissem Marmor gehaltenen counter der kleinen Segafredo®-Filiale im Hauptbahnhof und damit direkt in eine riesige und sich gerade öffnende Duftblume von Desinfektionsmittel, das mich kurzerhand durch einen neuronalen Tunnel—Nostos divides, Algos unites—in den Kreißsaal zurück sog, scharf und plastisch und schneller als das weisse Licht, das den counter hier vor mir erleuchtete, hinter dem die Frau in dem schwarzen Polohemd mit besticktem Schriftzug nun meine Bestellung erwartete.

    Der Espresso, den ich dort trank, verursachte für den Rest des Tages eine Flatterhaftigkeit in mir, flache Atmung, hoher Blutdruck (?), eine Art Nervosität, eine wie beständig an meine Nervenenden heran schwappende Ahnung von irgendeiner Schwellenübertretung, die dann aber nie passiert, als körperlicher Gesamtzustand. Als stünde ich den ganzen Tag am Klippenrand zu Etwas.
    Diese Idee, dass es am Espresso gelegen haben könnte—keine besonders gute—kam mir erst später, abends, genau genommen auf Platz 12 der Reihe 15, im Konzertsaal, auf dessen Bühne fast im selben Moment ein Musiker des Ensemble Modern die kleinen runden Köpfe der Schlägel auf die grossen Marimbas hernieder liess, und ich wiederum, für eine lange Sekunde dachte, ob ich jetzt, hier, in gedämmtem Saallicht, eine Panikattacke bekomme.

    Heute vor 1 Jahr Flug nach NY, Aufbau Ausstellung „Tip Jar Mud Flap“.

    Noch liegt der Schnee von Montag. Teils wie gedacht, teils als begehbarer Slush. Die Kälte kommt von unten und von oben.

    Geniesse den Text von Bahners über das neue Frick. Ich geh quasi mit ihm dadurch, womit ich meine: Satz und Raum.
    Du glaubst, auffer Bohrinsel ist harter Job? Sey mal Thomas Cromwell für ne Woche.

  • so, 4.1.2026

    SYMPHONY No. 4 – CENTRAL PARK IN THE DARK

    Wir hören Musik. Und Schreiben dazu.
    Aus dem einen Zusammenhang heraus, den ich stets mit mir trage, fiel mir ein, letztens noch etwas gelesen hatte darüber, dass es Leute gibt, Autoren, Schriftsteller, die beim Schreiben, beim Denken und es dann hinschreiben oder hintippen, TYPING, Musik hören, Musik hören MÜSSEN. Mancher, ich erinnere das Beispiel Knausgård, die Musik, die nicht Instrumentalmusik war, mitsamt ihrer Textebene sogar durch Kopfhörergebrauch quasi direkt an Ohr und Hirn angelegt. Kein Raum und keine Akustik, den Aufprall der Worte, die wir lyrics nennen, abzufedern.
    Und dabei dann Text schreiben, der—ja in welchem Verhältnis stehen sich da Musik und der Text, der parallel dazu entsteht und im Entstehen sich befindet sich die Dinge, die dort jemand besingt, und die verweisen und Verweise herstellen—sich noch in echtzeitiger Wahrnehmung all das fernhalten, auf Distanz halten muss, um sozusagen da herum zu schreiben, völlig, oder doch nur ein bisschen, wie einen Effektweg im Tonstudio, seriell, parallel?

    Im Plattenladen nach den Feiertagen, zwischen den Jahren und auch gestern noch, die Hölle los. In diese triste Stadt reist in Scharen der HOLLÄNDER, der Holländer ist tendenziell gross und laut, und ich frage mich, was hat denn der Holländer in seinem Holland nicht, was er hier, im Kaputtostädtchen in Kaputto-Westfalen, findet? Oder mache ich das Gras in Holland grüner, als es wirklich ist? Ist man in einem Grenzort wie etwa Kerkrade oder Sittard oder Schinveld noch übler hingehalten?
    Ein Junge, grade so dem Peanuts-Alter entwachsen, entpuppt sich vor mir als Charakter-Solitär, möchte für sich Platten haben, möchte das Michael Jackson Album haben, auf dem sich der „Earth Song“ befindet, wird aber enttäuscht werden, vorerst, um dann später mich noch zu fragen nach Markus‘ „Ich will Spass“, aber dann für eine Billy Idol Platte sich entscheidet, denn darauf befindet sich „White Wedding“, und damit ist er, für heute, dann doch noch zufrieden.
    Jetzt ist auch Zartheit

    Dann fiel aus winterlicher Nachmittagshalbdüsterkeit Schnee. Vom Ladeninneren aus, durch die Fensterfront hinter dem counter, sehen die Flocken wie Fetzen von Nesselstoff aus. Als ich später, Feierabend, den Laden verlasse, da liegt es noch WEISS auf dem grossen Terpentinsee.

  • fr, 2.1.2026

    SYNTAGMA MUSICUM 2*26

    Der historische Aufmacher dieses Eintrags geht wie folgt:
    durch Schneefall, Regen und nachfliessende Wassermassen aus Nebenflüssen des Rheins erreichte bereits am 1. Januar 1926 die Flut in Köln mit knapp elf Metern ihren Höchststand. Fünf Tage überschwemmt waren nicht nur Altstadt und Rheinpromenade, sondern grosse Teile der Stadt nördlich der Severinsbrücke, die zu dieser Zeit noch nicht existierte.

    Am zweiten Tag—
    (jetzt, wo der Hyphen/Geviertstrich/Doppelgeviertstrich
    g e r a d e n o c h als signifier für von KI-verfasste Texte herhalten kann, bis diese Beobachtung von einer anderen Beobachtung abgelöst werden wird) rüttelt der Wind am Haus und er schleift die Wolken über den Asphalt.
    Mir kommt die Replika der Freiheitsstatue in den Sinn, die vor ein paar Wochen auf dem Parkplatz eines Megastores in Guaíba, Brasilien, von Handykameras dokumentiert, in einer dieser steroiden Naturlaunen einfach umgeknickt und profanisiert worden war, und den Blick freigab auf Die Goldene Möwe dahinter, die unberührt und gelb in ihrem benchmark UND trademark Flügelschlag verharrte.

    Der Corporate Consumerist Reality also ein neues Jahr abtrotzen. Sehr gerne doch!

    We are religious in our attachment to risk, Oh Lord.